Kurrentschrift lesen
Kurrentschrift lesen
Besitzen Sie alte Briefe, Tagebücher oder Fotoalben, die Sie schon lange entziffern möchten? Stolpern Sie im Archiv immer wieder über handschriftliche Dokumente, die schwer lesbar sind?
Bei deutschsprachigen Texten handelt es sich dabei häufig um Kurrentschrift – eine Schreibweise, die bis zu Beginn des 20. Jahrhunderts weit verbreitet war, heute aber kaum noch geläufig ist.
Das Staatsarchiv Bern, die Burgerbibliothek Bern und die Universitätsbibliothek Bern bieten ab dem Frühjahr 2026 einen Einführungskurs sowie einen Praxisworkshop zum Lesen dieser alten Handschrift an.
Diese Seite versammelt hierzu passende Unterlagen, Literatur, Tipps und Links, die für das Lesen von Quellen in Kurrentschrift nützlich sind.
Kursprogramm 2026
Hilfsmittel und Tipps
Das Kurrent-Alphabet



Variationen: siehe Heft "Schulpraxis", 1988, Neuaufl. 2019, S. 32f.
Schriftkunde und Wörterbücher
- Schmocker, Hans (2019 [1988]): Alte Schriften Lesen, hg. von Daniel Moser. In: Schulpraxis, 78 (4), 3–39: Immer noch das Standard-Lehrmittel für alte Schriften in der Schweiz
- Johann Christoph Adelung: Grammatisch-kritisches Wörterbuch der Hochdeutschen Mundart: Erscheinungszeitraum 1793-1801, gut für Quellen von Mitte des 18. bis zum frühen 19. Jh.
- Jacob und Wilhelm Grimm: Deutsches Wörterbuch: Erscheinungszeitraum: 1851-1961, seither Neubearbeitung, gut für Quellen aus dem 19. und dem frühen 20. Jh.
- Schweizerisches Idiotikon: Dokumentiert die deutsche Sprache in der Schweiz vom Spätmittelalter bis in die Gegenwart, Schwerpunkt 19. Jh., geeignet für Mundartausdrücke
- Wörterbuchnetz: Online-Sammlung von historischen Wörterbüchern
- Dictionnaires d'autrefois: französische Wörterbücher 17. bis 20. Jh.
- Boeselager, Elke Freifrau von (2004): Schriftkunde: Basiswissen. Hannover: Verlag Hahnsche Buchhandlung (Hahnsche Historische Hilfswissenschaften: 1) ->ausleihen
- Haarmann, Harald (2021): Geschichte der Schrift. 6. Aufl. München: C.H.Beck (C. H.Beck Wissen) ->ausleihen
- Schneider, Karin (2014): Paläographie und Handschriftenkunde für Germanisten. 3. Aufl. Berlin, Boston: De Gruyter ->ausleihen
- Stiebner, Erhardt D.; Leonhard, Walter (1992): Bruckmann's Handbuch der Schrift. 4. Aufl. München: Bruckmann ->ausleihen
- Sturm, Heribert (2015 [1961]): Unsere Schrift: Einführung in die Entwicklung ihrer Stilformen. Insingen: Verlag Degner & Co. (Grundwissen Genealogie: 1) ->ausleihen
- Süss, Harald (2002): Deutsche Schreibschrift: Lesen und Schreiben lernen. Lehrbuch. München: Knaur Ratgeber Verlag ->ausleihen
- Verdenhalven, Fritz (1991): Die deutsche Schrift / The German Script. Ein Übungsbuch. 2. Verbesserte Aufl. Neustadt a. d. A.: Verlag Degener & Co. ->ausleihen
Orte und Namen
- Berner Ortsgeschichten: Linked-Open-Data-Projekt der Universitätsbibliothek Bern
- Historische Karten der Schweiz – Swisstopo
- Ortsnamen.ch: Portal der Schweizer Ortsnamenforschung
- Ortsnamenbuch des Kantons Bern
- Lexikon des Jura – Dictionnaire du Jura
- Familiennamenbuch der Schweiz – Historisches Lexikon Schweiz
- Familienforschung: Recherche in Kirchenbüchern des Staatsarchivs Bern
- Burgerliche Kirchenbücher und Genealogien
- Minert, Roger (2004): Alte Kirchenbücher richtig lesen. Hand- und Übungsbuch für Familiengeschichtsforscher. Wuppertal: Verlag U. & E. Brockhaus ->ausleihen
Abkürzungen und Daten
- Lateinische Abkürzungen bei Ad Fontes: Auszug aus "Lexicon abbreviaturarum" von Adriano Cappelli, 1928
- Liste häufiger Abkürzungen, die in Quellen verwendet werden, Staatsarchiv Bern
Tipps der Profis
Lesen Sie laut!
Denken Sie an Ihre Mundart und sprechen Sie die Worte auch so aus.
Beginnen Sie ein unleserliches Wort von hinten zu lesen: Endungen wie -en, -ung, -chen, -lein, -schaft, -heit, -enz usw. gab es auch schon damals.
Überspringen Sie ein unleserliches Wort – allenfalls macht es später aus dem Kontext Sinn.
Bei digitalen Bildern lohnt es sich, den Zoom zu variieren.
Seien Sie sich bewusst, dass e, n und r sehr ähnlich aussehen. Können Sie diese Buchstaben unterscheiden, ist bereits viel gewonnen.
Merke: Ein u hat immer einen Überstrich, sonst ist es ein e, n oder r.
Ein v kann auch als u verstanden werden: vnd = und
Analysieren Sie, welche Buchstaben Unterlängen haben. f, h, s werden auch gerne verwechselt.
Ein i-Pünktchen ist nicht immer genau über dem i.
Ein j und ein i sind manchmal dasselbe.
Ein ÿ/y steht oft, wenn wir "ei" sagen würden.
Benutzen Sie für verschiedene Ausprägungen einzelner Buchstaben, S. 32 und 33 der Schulpraxis.
Beim Kurrentschrift lesen gilt: "Übung macht den/die Meister*in!"
Zusammengestellt von den Kursleitenden Dr. Nadja Ackermann, Burgerbibliothek Bern, und Dr. Benjamin Ryser, Staatsarchiv Bern.
Lernplattformen und weitere Links
Lesen lernen / üben
Die Plattform Ad Fontes der Universitäten Zürich und Bern vermittelt Grundlagen zur Arbeit mit Quellen im Archiv, gibt Inputs zum Lesen alter Schriften sowie zu vielen weiteren Themen wie Datierung, Münzkunde, Heraldik, Archivarbeit mit Karten, Fotografien und Videomaterial.
- Lernseite für alte Schriften des Stadtarchivs und der Vadianischen Sammlung St. Gallen mit Originalquellen von 1228 bis 1914
- Digitale Schriftkunde der Staatlichen Archive Bayerns: Sammlung von Quellentexten aus den Staatlichen Archiven Bayerns vom 8. bis ins 20. Jh. mit Transkriptionen
Schreiben lernen
- Kurrent-Podcast der Universität Graz
- Private Schreiblernseiten: Kurrentschrift.net U. Münter, Kurrent lernen M. Mücke/M. Hübbers
Mitmachen / Citizen Science
E-Manuscripta: Plattform für digitalisierte handschriftliche Quellen aus Schweizer Bibliotheken und Archiven vom 6. bis ins 21. Jahrhundert. Registrierte Benutzer*innen können mithelfen, Handschriften zu transkripieren.
Transkription mit KI
- Transkribus.org: Kostenpflichtiges Transkriptionsprogramm für handschrifliche Texte, das oft in der Forschung verwendet wird
- Infoclio.ch: Informationen und Links zur Text-Transkription mithilfe digitaler Programme und KI-Technologie
Impressum
Hrsg. von Universitätsbibliothek Bern, Burgerbibliothek Bern und Staatsarchiv Bern, 2026
Kontakt: bibliothek@unibe.ch


