Texte bewerten und zitieren
Reiter
Texte bewerten und korrekt zitieren
Der Kern einer wissenschaftlichen Recherche ist das Suchen und Finden von geeigneter Literatur, die hilft, die eigene Fragestellung zu beantworten.
Die verwendete Literatur und der Umgang damit tragen wesentlich zur Qualität der eigenen Arbeit bei. Deshalb ist es wichtig, passende und vor allem vertrauenswürdige sowie qualitativ hochwertige Literaturquellen zu finden. Die korrekte Verwendung (direktes und indirektes Zitieren) ist ebenfalls ein wichtiger Teil des Schreibprozesses.
In diesem Modul lernst du, was eine wissenschaftliche Publikationen ausmacht und wie du diese erkennen und bewerten kannst. Zudem lernst du, weshalb Zitieren wichtig ist und wie du direkt und indirekt aus deinen Quellen zitieren kannst.

Bild: Adobe Stock
Übung 1: Geeignete und ungeeignete Quellen (für die Arbeit suchen)
Such dir zwei Ressourcen zu deinem Thema. Eine, die du verwenden würdest und eine, die du nicht verwenden würdest. Wie beurteilst du diese Quellen?
Falls du kein Thema hast oder keine passenden Quellen findest: Schau dir die vier Texte unten an und beurteile diese.
Welche Quellen würdest du für deine Arbeit nutzen und welche nicht? Weshalb?
Wissenschaftliche Publikationen erkennen und bewerten
Um wissenschaftliche Arbeiten zu erkennen und systematisch zu bewerten, hat sich insbesondere ein Werkzeug durchgesetzt: Der CRAAP- bzw. AARG-Test.
Indem Fragen zu der Urheberschaft oder der Aktualität der zu beurteilenden Publikation systematisch durchgearbeitet werden, lässt sich besser einschätzen, ob die Publikation den wissenschaftlichen Qualitätsansprüchen entspricht und folglich für die eigene wissenschaftliche Arbeit verwendet werden kann oder soll.
Es handelt sich dabei um Fragen rund um die Aktualität, Relevanz, Autorschaft, Genauigkeit und der dahinterliegenden Absicht. Kurz: Passt der Text zu meiner eigenen Forschungsfrage und entspricht er auch den wissenschaftlichen Standards?
Im untenstehenden Akkordeon finden sich weiterführende Teilfragen:

Unter der Kategorie Currency wird die Aktualität der zu untersuchenden Publikation untersucht. Zentral dabei ist die Frage, ob es sich dabei um den aktuellen Forschungsstand handelt.

Bei Relevance/Relevanz gilt es zu klären, ob sich die zu untersuchende Publikation überhaupt als wissenschaftliche Quelle für mein eigenes Forschungsvorhaben eignet.

Bei Authority / Autorität liegt der Fokus auf dem Hintergrund der Person(en), die den Text geschrieben hat/haben. Hier ist die Recherche mit einer Suchmaschine sehr hilfreich.

Bei Accuracy / Genauigkeit geht es darum, den Inhalt zu überprüfen. Ist hier alles korrekt? Basieren die Aussagen auf Fakten?

Bei Purpose / Ziel, Absicht muss überprüft werden, was die Autorin/der Autor mit dem Text beabsichtigt. Ziel ist herauszufinden, ob es sich hier um einen wissenschaftlichen Text handelt oder eher um einen journalistischen, politischen, etc.

Wodurch zeichnen sich die wissenschaftlichen Qualitätskriterien aus, denen eine Publikation entsprechen soll?
Unabhängig von der Disziplin oder dem Fachbereich ist wissenschaftlichen Publikationen einiges gemeinsam. Dies bezieht sich vorwiegend auf formale Elemente, d.h. die Gestaltung und äussere Form, aber auch auf den Einsatz einer wissenschaftlichen Methode.
Wissenschaftliche Qualitätskriterien:
- Objektivität
- Verlässlichkeit
- Nachvollziehbarkeit / Überprüfbarkeit
- Validität / Gültigkeit
- Relevanz
- Logische Argumentation
Formale Kernelemente, die die Qualitätskriterien '"sichtbar" machen:
- Aufbau (Einleitung, Hauptteil und Schluss mit Fragestellung, Forschungsstand, Methode, Analyse, Auswertung)
- Sprache (Fachsprache, nachvollziehbare und logische Argumentation, Zielpublikum: Forschende)
- Autorschaft (Expert*in mit Fachwissen)
- Quellennachweise (Fussnoten / Bibliografie)
- Methodik

Zitieren in wissenschaftlichen Arbeiten
Das Schreiben einer wissenschaftlichen Arbeit kann mit einem Dialog verglichen werden, der folgende Eigenschaften hat:
Art des Dialogs
- schriftlich
- Teilnehmer*innen sind nicht am selben Ort
- zeitversetzt (Abstand zwischen Beitrag und Reaktion)
Grundsätze
- nicht hineinplatzen
- keine Behauptungen aufstellen
- den bisherigen Verlauf beachten, darauf basierend argumentieren
Forschungsstand
- darauf Bezug nehmen
- "weiterverarbeiten"
- zustimmen oder ablehnen
Kritische Auseinandersetzung
- nicht nur aufzählen
- eigene Fragestellung beantworten
Zitat = vollständige Angabe der entsprechenden Quelle bei der wörtlichen oder sinngemässen Übernahme von Textstellen / Bildern / Daten / Diagrammen etc. von anderen Urheber*innen.
Grundsätzlich: Um etwas ziteren zu können, muss es veröffentlicht und zugänglich sein.
Zitiert werden können (müssen?): Textstellen, Bilder, Videos, Audios, Daten/Tabellen/Diagramme, von KI generierte Inhalte, Ideen
Ein Plagiat liegt vor, wenn die Quellen einer Textstelle, eines Bilder oder einer Idee nicht entsprechend kenntlich gemacht wird. Ob dies bewusst oder unbewusst geschieht, ist nebensächlich.
Plagiatsfälle werden geprüft und können bis zu einem Disziplinarverfahren führen!
Grundsätzlich kann bei der Verwerndung von Quellen zwischen zwei Arten von Zitaten unterschieden werden:
Direktes zitieren (wörtliches Zitat)
- Definition von Begriffen
- Geanuigkeit und Detailtreue
- Wortlaut
- Abwechslung
- in Anführungszeichen " "
- einrücken, Abstand, Schrift
- Auslassen: [...] / [.]
Indirektes zitieren (sinngemässes Zitat)
- Paraphrasieren
- keine Anführungszeichen
- Vorrang
- eigener Stiel, eigene Leistung
- Zitat: Gedanken stützen
Direktes Zitat
"Das Internet und die sozialen Medien haben sich in einer relativ kurzen Zeit zu einem alltäglichen Erfahrungsraum mit neuartigen Interaktionsmöglichkeiten entwickelt" (Zizek & Andermann, 2023, S. 151).
Indirektes Zitat
Auch Zizek & Andermann (2023, S. 151) kamen zum Schluss, dass Internet und soziale Medien immer mehr einen Ort darstellten, an dem Menschen sich begegnen.
Bibliographie:
Zizek, B., & Andermann, H.-Z. (2023). Das Internet als neuer Möglichkeitsraum fürselbstgewählte Therapie? – Eine sozialisationstheoretische Erkundung neuer digitaler Erfahrungsräume. In L. Zizek, B. Zizek, C. Scheid, & M. Silkenbeumer (Hrsg.),Sozialisationstheorie und -Forschung Revisited(S. 151–169). Springer Fachmedien Wiesbaden GmbH. https://doi.org/10.1007/978-3-658-36002-3_8
Übung 2: Ressourcen direkt und indirekt zitieren
Nimm die Ressourcen, die du in den ersten Übungen bewertet hast, und versuche ein direktes und ein indirektes Zitat zu formulieren.
Falls du keine Ressourcen zu deinem Thema gefunden hast: Nutze die Beispiele zum Maya-Kalender aus Übung 1
Weiteres Material
Kontakt und Beratung
Alle Inhalte von Kurse für Schulklassen © 2024 by Universitätsbibliothek Bern, Bibliothek Münstergasse sind lizenziert unter CC BY-SA 4.0. Abbildungen siehe jeweilige Angaben.H



